Ein Jahr voller Liebe

# Theologie

Ein Jahr voller Liebe

Die Liebe Gottes, die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen, liebe Gemeinde!

Hast du nur ein Wort zu sagen, nur einen Gedanken, dann lass es Liebe sein!

Kannst du mir ein Bild beschreiben mit deinen Farben, dann lass es Liebe sein!

So sang vor 20 Jahren das Duo “Rosenstolz” über unser Jahres-Thema.

Aber bereits im Jahre 1967 präsentierten die Beatles zur Weltpremiere des Farbfernsehens ihre Hymne All you need is love, und sie waren weder die ersten noch die letzten, die sich dieses Evergreen-Themas annahmen.

Wir haben ja bereits Lesungen aus der Hebräischen Bibel und dem Neuen Testament gehört, in denen es ebenfalls um die Liebe ging, und zwar durchaus auch die erotische Liebe, wie sie im HohenLied Salomos besungen wird.

Im ebenfalls sogenannten HohenLied der Liebe aus dem ersten Korintherbrief des Apostels Paulus, das wir auszugsweise heute als Psalm gebetet haben, geht es dann allerdings nicht um romantische Zweisamkeit, sondern um die Liebe Gottes als Grund aller Beziehungen sowohl zwischen Gott und den Menschen als auch unter uns Menschen.

Unsere Jahreslosung, die ebenfalls aus dem ersten Korintherbrief stammt, formuliert kurz und schlicht: Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.

Fast scheint es mir, dass man dazu keinen Kommentar benötigt.

Aber dann höre ich die Worte des Dichters und werde nachdenklich: Wenn schon über das Gefühl des Voneinander-Angezogenseins so viel zu sagen ist - um wieviel mehr dann über das, was der Psychologe und Philosoph Erich Fromm “Die Kunst der Liebe” genannt hat; und er sprach nicht etwa von Kamasutra.

Jener Dichter, der so schlicht und eindringlich spricht, Erich Fried, sei mit seinem Klassiker in voller Länge zitiert:

es ist unsinn

sagt die vernunft

es ist was es ist

sagt die liebe

es ist unglück

sagt die berechnung

es ist nichts als schmerz

sagt die angst

es ist aussichtslos

sagt die einsicht

es ist was es ist

sagt die liebe

es ist lächerlich

sagt der stolz

es ist leichtsinnig

sagt die vorsicht

es ist unmöglich

sagt die erfahrung

es ist was es ist

sagt die liebe

Es ist also da, irgendwie, aus heiterem Himmel: ein Gefühl, eine Macht, der man ausgeliefert ist - schön und schrecklich zugleich.

Und man mag dagegen aufbieten, was immer man möchte: Vernunft, Erfahrung, Vorsicht, Angst - es hilft alles nichts.

Wir hörten es schon: Stark wie der Tod ist die Liebe..... Gewaltige Wasser können die Liebe nicht löschen, und Ströme schwemmen sie nicht fort.

Wir werden uns im Themengottesdienst im Februar mit der romantischen und erotischen Liebe ein wenig eingehender beschäftigen und damit gewissermaßen zu den Anfängen der Themengottesdienste in unserer Gemeinde zurückkehren; denn der allererste Themengottesdienst im Sommer 2013 hatte den provokant gemeinten Titel: “Kann denn Liebe Sünde sein?

Wenn man sich nach den Worten Jesu richtet, dann kann man diese Frage eindeutig verneinen. Das ist mein Gebot: Dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe, lesen wir im 15. Kapitel des Johannesevangeliums.

Mit anderen Worten: Wer liebt, tut, was Jesus uns geboten hat.

Aber Achtung: Wenn ich sage, jemand “tut etwas”, dann ist das eine Aktivität und nicht nur ein Empfinden, ein Hingerissensein!

Eben darin besteht, so erinnere ich mich an die Fromm-Lektüre in jungen Jahren, die Kunst des Liebens: dass man nicht nur seiner Empfindung Ausdruck verleiht, sondern eine Beziehung gestaltet.

Auch in der Bibel geht es beim Stichwort “Liebe” nicht in erster Linie um Emotionen - auch wenn das jetzt befremdlich klingen mag. “Du sollst ... lieben!” - Das wird uns am kommenden Sonntag im ersten Themengottesdienst dieses Jahres beschäftigen, in dem es durchweg um Facetten der Liebe und des Liebens gehen wird.
Es wäre doch wohl eine höchst seltsame Aufforderung, wenn das Doppelgebot der Liebe so zu verstehen wäre, daß wir etwas fühlen sollen! Dann ginge es uns, falls ein Schwall warmer Wogen ausbliebe, wie unglücklichen Müttern, die nach der Geburt in eine Depression verfallen und keine Zärtlichkeit für das Neugeborene aufzubringen vermögen.

Genau hier greift aber, was das Gebot gebietet: Tun, was nötig ist - in diesem Fall also sich um das Kind in seiner Schutzbedürftigkeit kümmern.

Sind wir so sympathisch, so liebreizend, dass Gott gar nicht anders kann, als uns gernzuhaben?

Oder ist es nicht eher so wie bei Neugeborenen, bei Verunglückten, bei Menschen in  Ausnahmesituationen: Jeder, der oder die ein lebendiges Herz im Leib hat, tut, was die Situation erfordert, um Leben zu retten und Not zu lindern.

Im ersten Johannesbrief klingt das so: Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.

Man könnte also unsere Jahreslosung auch umformulieren und sagen: Alles, was ihr tut, das tut in Gott.

Denn, so Jesus an der vorhin bereits zitierten Stelle im Johannesevangelium: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.

Amen.

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