Tischgespräche

# Emmaus: Gemeindezeit-Artikel

Tischgespräche

Superintendent Heinrich Fucks ist der Vorsitzende des kommissarischen Vorstandes des jüngst ins Leben gerufenen Rats der Religionen Düsseldorf. Im Interview erläutert er uns, warum er sich für die Gründung eingesetzt hat und was er sich für unsere Stadt erhofft. 

Der „Rat der Religionen Düsseldorf“ wurde im September feierlich gegründet. Warum braucht unsere Stadt ein solches Gremium?

Es gab in der Vergangenheit immer wieder Situationen und Krisen, in denen sich die Religionsgemeinschaften in Düsseldorf gemeinsam zu erkennen geben wollten. Ein pragmatischer Grund war also, auf solche schwierigen Situationen besser vorbereitet zu sein. Daneben möchten wir auch im Alltag eine gemeinsame Stimme haben und den Austausch fördern. Konkret haben wir uns zum Ziel gesetzt, das Zusammenleben und die Verständigung in der Stadtgesellschaft sowie Religion als Lebensstil zu fördern.

Was war das für Sie das bedeutendste interreligiöse Ereignis als Superintendent hier in Düsseldorf?

Das war die Begegnung mit anderen Religionsvertretern nach dem 7. Oktober 2023, als wir uns auf Einladung des Oberbürgermeisters trafen, um das erste interreligiöse Friedensgebet vor dem Rathaus zu planen. Es war eine Begegnung von Muslimen, Juden und Christen. Man spürte bei dem Treffen ein sehr bewegendes Ringen darum, zusammenzubleiben und diese aufgewühlte Situation in einem Gebet aufzufangen.

Wie betet man überhaupt gemeinsam?

Offen gestanden gar nicht. Wir beten miteinander nebeneinander in unserer jeweiligen Tradition. Es ist also kein gemeinsames, sondern eher ein multireligiöses Gebet. 

Der Rat der Religion hat sich in Düsseldorf eine Satzung gegeben. Warum?

Wir sind nicht die einzige Stadt mit einem Rat der Religionen. Einige haben gar keine Satzung. Wir wollten aber eine und haben uns an dem Rat in Frankfurt am Main orientiert, weil dieser sich auf das Grundgesetz bezieht und zu unserem Ziel passt, möglichst offen zu sein für weitere religiöse Gruppen. Außerdem macht die Frankfurter Vorlage eine Diskussion, wer dazugehören darf, überflüssig.

Gab es besondere Knackpunkte?

In diesen aufgeladenen Tagen ist es schon klasse, dass die Gründung in diesem Jahr stattgefunden hat. Vor zwei Jahren wäre das sicher einfacher gewesen.

Was steht für das neue Jahr auf dem Programm?

Zunächst müssen wir die konstituierende Sitzung durchführen, hierfür werden die Religionsgemeinschaften noch weitere Mitglieder entsenden. Wir werden dann den ersten ordentlichen Vorstand wählen und der kann dann die Arbeit aufnehmen.


Das Interview führten Jessica Voß und Ruth Steinacker.

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