
Von Ruth Steinacker und Jessica Voß. Der Buddhismus ist zweifelsohne eine Religion, aber er kannte nie eine umfassende, vereinheitlichende Organisation verglichen mit den christlichen Kirchen. Das macht es uns Europäern schwer, seine Strukturen zu verstehen. In Düsseldorf gibt es mit dem EKŌ-Haus ein hervorragendes Angebot, den japanisch geprägten Buddhismus sowie die japanische Kultur kennenzulernen.
Doch was ist „der“ japanische Buddhismus, der aus etwa 60 verschiedenen buddhistischen Strömungen bzw. Schulen besteht? „Für Japaner*innen selbst spielt es keine große Rolle, wem sie sich zuordnen“, erklärt uns Priester Jan Marc Nottelmann-Feil. Und das hat historische Gründe: „Vor vierhundert Jahren mussten sich alle Familien in Japan einem buddhistischen Tempel anschließen, wo entsprechende Riten z. B. bei der Beerdigung ausgeführt wurden. Diese Tradition wird von den meisten Familien bis heute gepflegt.“ Dass sich viele Japaner*innen nicht als „religiös“ bezeichnen, ist aus unserer Perspektive verwirrend, denn auf Nachfrage würden sie angeben buddhistisch zu sein.
Eine der größten buddhistischen Strömungen in Japan ist die Jōdo-Shinshū Schule, was die „Essenz des reinen Landes“ bedeutet. „Der EKŌ-Tempel in Düsseldorf ist völlig einzigartig in Europa, weil in ihm eine Zeremonie der Jōdo Shinshū genauso stattfinden kann wie in Japan“, stellt Nottelmann-Feil heraus. Neben zwei japanischen ist er der einzige deutsche Priester am Tempel.
Dennoch ist der EKŌ-Tempel kein Tempel der Jōdo Shinshū, denn er wird von einem Verein unterhalten, dem BDK - Bukkyō Dendō Kyōkai. Der Vereinszweck ist das Verständnis für den Buddhismus hier bei uns in Düsseldorf zu fördern. Sein Gründer, Reverend Dr. Numata Yehan (1897-1994) hatte als junger Mensch längere Zeit in den USA gelebt, woraus sich der Wunsch entwickelte, die japanische Kultur im Westen zu vermitteln, u.a. mit buddhistischen Übersetzungsprojekten sowie der Finanzierung von Lehrstühlen zu Buddhismus-Studien an Universitäten wie Berkeley, Oxford und Leiden.


Um den EKŌ-Tempel in Düsseldorf zu bauen, ließ Numata Yehan eine Spendenaktion unter allen buddhistischen „Schulen“ ausrufen und bei der Eröffnung waren auch alle wichtigen dabei. Der BDK fördert bis heute alle buddhistischen Strömungen bzw. Schulen.
Die rund 8.000 Japaner im Großraum Düsseldorf sind nicht direkt mit dem EKŌ-Tempel verbunden, d.h. der EKO-Tempel ist nicht ihr Familientempel (bodaiji), und sie sind auch kein “Mitglied“ im vereinsrechtlich deutschen Sinne. „Aber sie kommen zu privaten Zeremonien oder zu den öffentlichen Tempelzeremonien. Ein Mal im Monat gibt es öffentliche Zeremonien, an denen zu je einem Drittel japanische und deutsche Buddhisten sowie interessierte Besucher*innen teilnehmen und herzlich willkommen sind“, erklärt Nottelmann-Feil.
Auch das EKŌ-Haus richtet sich mit seinen Angeboten gleichermaßen an die japanische Community, eine der größten in Europa, wie die deutsche Zivilgesellschaft mit Vorträgen, Ausstellungen, Kursen und buddhistischen Zeremonien.
Das EKŌ-Haus
Wer in die japanische Kultur eintauchen möchte, findet das EKŌ-Haus der japanischen Kultur e.V. am Brüggener Weg 6 in Düsseldorf-Niederkassel. Hier finden regelmäßig Teezeremonien, Filmvorführungen, Sprachkurse und Kulturworkshops statt, die den Besucher*innen einen Einblick in die traditionsreiche japanische Lebensweise geben.