
Fausia El Jerroudi ist Diplom-Bibliothekarin und Düsseldorferin seit ihrer Geburt. Die Muslima ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Wie lebt sie ihren Glauben?
„Ich bin Mitglied bei der Masjid Omar Moschee in der Aderstraße. Sie wurde von marokkanischen Muslimen als Verein gegründet und wird wie sämtliche Moscheen über Spenden und Vereinsbeiträge der Mitglieder finanziert. Unsere Moschee ist offen für alle, die hier beten kommen möchten, Besucher sind herzlich willkommen
Mein Glaube ist für mich wie ein moralischer Kompass und eine Stütze im Alltag. Ich bete mindestens fünfmal am Tag – unsere Pflichtgebete –, dazu kommen noch Dua, kleine Bittgebete, die wir z. B. bei Verrichtungen des Alltags aussprechen, etwa beim Autofahren oder Essen. Ich bete da, wo ich gerade bin, aber am liebsten zuhause, denn hier kann ich die rituelle Waschung vorm Beten in Ruhe in meinem eigenen Badezimmer ausführen. Gleichzeitig ist es schön, mit der Moschee einen Ort zu haben, wo man immer hinkann, wo sich Jung und Alt treffen und niemand alleine sein muss. Hier beten wir nicht nur gemeinsam, sondern unterhalten uns oder kochen und essen zusammen. Die Moschee begleitet uns von der Geburt über die Hochzeit bis zum Tod.
Ich liebe den Ramadan, schon als Kind wollte ich unbedingt fasten, durfte aber (noch) nicht. Ich liebe die gegenseitigen Besuche, das intensive Zusammensein mit der Familie während dieser Zeit. Mein Lieblingsfest ist Eid al-Fitr, den meisten als Zuckerfest bekannt, das als Fest des Fastenbrechens den Ramadan abschließt. Aber auch das Opferfest, das wichtigste muslimische Fest, mag ich sehr.
Prinzipiell fühle ich mich als Muslimin wohl in Düsseldorf. Mich stört nur die ewige Kopftuchdebatte: Ich möchte mir weder vorschreiben lassen, dass ich das Kopftuch tragen soll, noch dass ich es nicht tragen darf. Das möchte ich ganz alleine entscheiden.
Das Zusammenleben funktioniert meiner Meinung nach gut. Ich selbst war auf einer katholischen Grundschule, nachmittags im Elsa-Brandström-Haus, der evangelischen Freizeitstätte neben der Christuskirche. Später habe ich dort sogar gearbeitet. Die Zeit war für mich sehr prägend.
Ich finde es super, dass der Kreis der Deutschen Muslime (KDDM) Teil des neugegründeten Rats der Religionen ist. So können wir noch mehr Verständnis füreinander entwickeln.“
Das Gespräch führte Sonja Intze.