Neue Klimaschutzkoordinatorin im Kirchenkreis Lennep

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Neue Klimaschutzkoordinatorin im Kirchenkreis Lennep

Julia Horn seit 1. Januar im Amt

Seit dem 1. Januar ist Julia Horn als Klimaschutzkoordinatorin im Ev. Kirchenkreis Lennep tätig.

Sie hat Chemie und Umweltwissenschaften studiert und arbeitet seitdem an der Schnittstelle von Klimapolitik, Zivilgesellschaft und Praxis.

Dazu zählen ein Traineeship bei der Europäischen Kommission, ihre Tätigkeit als Policy Officer für Klima und Energie bei der Berlin Governance Platform sowie die Gründung einer eigenen Organisation. Darüber hinaus war sie ehrenamtlich im Vorstand der Klimadelegation e. V. aktiv und koordinierte zuletzt bei der BUNDjugend eine Arbeitsgruppe zu Jugend und Klimaaußenpolitik.

Ihr Fokus liegt darauf, Klimaschutz im Kirchenkreis praxisnah, realistisch und gemeinsam mit Haupt- und Ehrenamtlichen weiterzuentwickeln. Dabei versteht sie Klimagerechtigkeit nicht nur als technische Aufgabe, sondern als Teil eines christlichen Grundverständnisses und kirchlicher Vorbildfunktion.

Hier stellt sie sich unseren Fragen: 

1. Welche Entscheidung oder Erfahrung in deinem bisherigen Leben hat dein Verständnis von Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft besonders geprägt?

In den vergangenen Jahren habe ich mich intensiv ehrenamtlich im Klima- und Umweltschutz engagiert. Besonders prägend war für mich die Auseinandersetzung mit internationaler Klimapolitik. In diesem Zusammenhang habe ich viele engagierte Menschen und Initiativen aus unterschiedlichen Ländern kennengelernt, die meinen Blick auf Umwelt- und Gerechtigkeitsfragen nachhaltig erweitert haben.

Sehr beeindruckt haben mich zum Beispiel das Indigenous Environmental Network aus den USA, das den Schutz der Schöpfung eng mit indigener Spiritualität verbindet, sowie Mitstreiter*innen wie Farzana aus Bangladesch oder Hajar aus Ägypten, deren Länder besonders stark von der Klimakrise betroffen sind. 

2. Wenn Klimaschutz im Kirchenkreis kein einzelnes „Projekt“, sondern eine gemeinsame Haltung wäre: Woran würden wir das im Alltag zuerst merken?

Ich habe den Eindruck, dass Klimaschutz bereits eine gemeinsame Haltung von vielen im Kirchenkreis ist. Im Alltag merkt man das, wenn die Minderung von Emissionen bei Entscheidungen zu Gebäuden neben Bedarf, Ästhetik, wirtschaftlichen Aspekten, usw. ein wichtiger Faktor ist. Glücklicherweise sind die klimaschonenden Lösungen mit Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen auf lange Sicht auch die kostengünstigeren für den Kirchenkreis.

Besonders sichtbar wird diese Haltung auch dort, wo es in den Presbyterien beauftragte Personen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit gibt. Wenn sich in allen Gemeinden Ehrenamtliche für diese Aufgabe finden, ist das ein starkes Zeichen dafür, dass Klimaschutz als gemeinsame Verantwortung im Kirchenkreis verstanden wird.

3. Was gehört konkret zu deinen Arbeitsbereichen als Klimaschutzkoordinatorin – und an welchen Stellen können Gemeinden, Einrichtungen oder Ehrenamtliche aktiv mitwirken?

Ich werde vor allem gemeinsam mit den Gemeinden Lösungen für den Gebäudebereich entwickeln und umsetzen. Denn der Energieverbrauch ist die größte Baustelle in Sachen Klimaschutz im Kirchenkreis. Eine weitere Aufgabe ist für mich die Vernetzung mit anderen Kirchenkreisen, der Landeskirche, den Kommunen und Umweltverbänden. Außerdem werde ich mir die Bereiche Mobilität und Landnutzung anschauen.

Dabei bin ich darauf angewiesen, dass die Presbyterien, Umwelt- oder Klimaschutzbeauftragte sowie die Baukirchmeister der Gemeinden aktiv mitwirken. Denn sie haben die nötige Ortskenntnis, kennen den Bedarf und die Besonderheiten der jeweiligen Gemeinde. Letztlich sind sie es, die die Entscheidungen treffen. Ich kann dazu Beratung anbieten, bei der Akquise von Fördermitteln unterstützen und zeitaufwendige Aufgaben übernehmen.

4. Mit wem im Kirchenkreis würdest du am liebsten sofort praktisch loslegen – und wobei?

Eine meiner ersten Anlaufstellen ist die Projektgruppe „Bewahrung der Schöpfung“. Ich möchte hören, was bereits läuft und was geplant ist. Außerdem würde ich gerne direkt praktisch bei der Gebäudebedarfsplanung gemeinsam mit den Baukirchmeistern einsteigen.

Ich freue mich auch darauf, u.a. auch mit den Vorsitzenden der Presbyterien sowie mit den Küster*innen in Kontakt zu kommen. Denn die Kirchen, Gemeinden und ihre Strukturen kennenzulernen, ist eine wichtige Grundvoraussetzung für meine Arbeit.

5. Was müsste in drei (oder vier) Jahren passiert sein, damit du sagen kannst: „Im Kirchenkreis Lennep ist wirklich etwas in Bewegung gekommen“?

Schon zum Start habe ich den Eindruck, dass im Kirchenkreis Lennep bereits sehr vieles in Bewegung ist. Wenn ich morgens am Haus der Kirche ankomme, lade ich mein E-Auto mit Solarenergie aus der Photovoltaikanlage auf dem Dach.

In den nächsten vier Jahren hoffe ich, dass wir weitere Projekte auf dem Weg zum Ziel der „Treibhausgasneutralität“ anstoßen können. Um die dafür nötige Finanzierung zu sichern, wäre eine mögliche Idee, einen Klimaschutzfonds aufzusetzen. Ein solches Modell kann viele Fördergelder erschließen und wird von anderen Kirchenkreisen bereits erfolgreich genutzt. Vielleicht sind in vier Jahren auch alle Gemeinden des Kirchenkreises Lennep mit dem „Grünen Hahn“, dem kirchlichen Umweltmanagementsystem, zertifiziert.

6. Was gibt dir im Alltag Hoffnung, gerade dann, wenn die großen Klimathemen überwältigend wirken?

Die Tatsache, dass in Gemeinden und Kommunen eigene Klimaschutzstellen geschaffen werden, gibt mir viel Hoffnung. Denn das zeigt, dass Klimaschutz auf der lokalen Ebene angekommen ist. Wenn viele Menschen überall in Deutschland, Europa und der Welt Ähnliches tun wie ich hier in Lennep, ist das schon sehr viel wert.

Wenn die globale Dimension der Klimakrise überwältigend wirkt, hilft es mir, einfach damit anzufangen, vor der eigenen Haustür zu kehren!

Vielen Dank für das Gespräch und herzlich Willkommen!

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