
Quasi seit Menschengedenken ist unsere Welt von Männern dominiert. Diese Dominanz war nur möglich, weil sie mit Gewalt gegen Frauen auf den verschiedensten Ebenen einherging: von der Verweigerung von Rechten bis hin zur sexuellen Gewalt. Wir müssen uns vor Augen halten, dass erst im letzten Jahrhundert Frauen in diesem Land das Wahlrecht bekamen - dass verheiratete Frauen erst ab 1977 ohne Zustimmung ihres Mannes eine Arbeitsstelle antreten durften – oder dass erst seit 1997 Vergewaltigung in der Ehe strafbar ist. Und sah es erst so aus, dass der Kampf um Gleichberechtigung auch dazu führen könnte, erleben wir in den letzten Jahren einen Versuch, alles Emanzipatorische wieder zurückzudrängen. Allein die Debatte um den Begriff „Gender“ zeigt dies. Und allein das von rechtsradikalen Parteien und von christlich-fundamentalistischen Gruppen propagierte Frauenbild – diesseits und jenseits des Atlantiks – ist ein Rückfall ins Mittelalter.
Unterstützt wird das durch eine wachsende Anzahl von körperlicher Gewalt und Femiziden. Und: all die aktuell wütenden Kriege zeugen davon, dass sexuelle Gewalt gegen Frauen bewusst als Waffe eingesetzt wird.
Gewalt gegen Frauen – ganz gleich welcher Art – ist schon immer ein zum Himmel schreiender Skandal gewesen.
Die biblischen Geschichten sind alles andere als frei von dieser männlichen Dominanz und unsere kirchliche Tradition hat auch auf protestantischer Seite bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts alles Erdenkliche getan, die Gleichberechtigung von Frauen zu sabotieren.
Dabei hätten die Kirche bei der sorgfältigen Lektüre der Bibel erkennen können, dass das Miteinander Geschlechter DIE Nagelprobe für die eigene Glaubwürdigkeit ist.
Eine schmählich ignorierte Episode aus dem 12. Kapitel im ersten Buch der Bibel erzählt davon, dass Abraham mit seiner Frau Sarah aufgrund einer Hungersnot Asyl in Ägypten sucht. Da Sarah schön ist und die Ägypter im Ruf stehen, die Ehemänner umzubringen, gibt Abraham Sara als seine Schwester aus. Er rettet seine Haut, verwirft die Verheißung auf einen Sohn und überlässt Sarah dem Harem des Pharaos. Doch Gott interveniert: „Er plagte den Pharao und sein Haus mit großen Plagen“ (1.Mose 12,17). Das Besondere ist nicht allein, dass Gott eingreift. Denn das hebräische Wort für Plagen kommt nur noch an einer anderen Stelle der Bibel vor: bei der Befreiung Israels aus dem Sklavenhaus in Ägypten (2.Buch Mose 7ff). Das, was Gott da für ganz Israel tut, tut er hier für eine einzelne Frau.
Und „die Moral der Geschichte“ liegt auf der Hand: Eine Zukunft kann es nur geben, wenn es auch für die Frau(en) eine Befreiung gibt. Und die steht noch aus. Und dafür gilt es alles zu tun!
Peter Andersen
Dieser Zeit-Geist ist der GemeindeZeit-Ausgabe Mai bis August 2026 erschienen.