
„Icklack – Wohnen für Frauen“ ist eine Einrichtung für wohnungslose Frauen, die sich seit 50 Jahren für Frauen in Not engagiert und ihnen vorübergehend eine sichere und liebevolle Bleibe bietet. Die Icklack befindet sich in Düsseldorf-Flingern, auf der gleichnamigen Straße „An der Icklack“ und ist in Trägerschaft der Diakonie Düsseldorf.
Eine Frauenspezifische Einrichtung in der Wohnungsnotfallhilfe ist eher die Ausnahme als die Regel. Dabei machen Frauen* laut statistischem Bundesamt, 43% der in Unterkünften untergebrachten Personen aus. Die Icklack kann der hohen Nachfrage kaum gerecht werden, alle 31 Plätze sind dauerhaft belegt und es gibt eine immer länger werdende Warteliste.
In der Icklack bekommen alleinstehende wohnungslose Frauen ab 18 Jahren und seit 2024 auch alleinstehende Mütter mit ihren Kindern, die Unterstützung, die sie für den Weg in ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben benötigen. Das multiprofessionelle Team der Icklack ist rein weiblich und bietet neben der Beratung, Betreuung und Begleitung durch die Sozialarbeiterinnen auch die Möglichkeit kunsttherapeutische Angebote wahrzunehmen oder sich mit der Arbeitsanleiterin wieder auf eine berufliche Laufbahn vorzubereiten. Zudem gibt es Workshops zum Thema mentale Gesundheit, eine Gartengruppe und eine Kochgruppe. All das hilft den Bewohnerinnen dabei, wieder Selbstwirksamkeit zu erfahren und neue Kraft aus ihren eigenen Ressourcen zu schöpfen. Insgesamt gehört ein 14-köpfiges Team zur Icklack, welches sich aus der Leitung, den fünf Sozialarbeiterinnen, einer Arbeitsanleiterin, einer Hausmeisterin, einer Verwalterin, einer Kunst-Therapeutin sowie den vier Studentinnen der Sozialen Arbeit, die die Nachtbereitschaft übernehmen, zusammensetzt.
Deshalb sind Hilfsangebote für wohnungslose Frauen besonders wichtig
Die Ursachen für Wohnungsverlust bei Frauen hängen oft eng mit sozialen Beziehungen zusammen. So schreiben Lutz R., Simon T. und Sartorius W. in ihrem Buch „Lehrbuch der Wohnungslosenhilfe. Eine Einführung in Praxis, Positionen und Perspektiven“, dass im Gegensatz zur Lebenssituation wohnungsloser Männer, die Gründe für weibliche Wohnungslosigkeit, häufig von privaten und beziehungsbedingten Umständen, sowie intensiveren Lebenskrisen geprägt sind. Zu diesen Ursachen zählen: gescheiterte Partnerschaften, sexueller Missbrauch durch Familienangehörige oder Ehepartner, Erfahrungen mit psychischer oder physischer Gewalt, Missbrauchserfahrungen in der Kindheit und Jugend, Opfer männlicher Gewalt, kein ausreichendes eigenes Einkommen, ökonomische Abhängigkeit von Ehemann oder Partner, die Lebenssituationen als Alleinerziehende und/oder eine diskontinuierliche Erwerbsbiografie. Junge Frauen verlassen ihre Herkunftsfamilien oft aufgrund unerträglicher Bedingungen, wie Gewalt, sexuellen Übergriffen oder Vernachlässigung.
Frauen sind besonders häufig von Gewalt betroffen. Insbesondere häusliche Gewalt ist eine häufige Ursache, weshalb Frauen in die Wohnungslosigkeit geraten. Laut Bundeskriminalamt und Frauenhaus – Koordinierung wurden im Jahr 2024 rund 265.942 Fälle häuslicher Gewalt erfasst, so viele wie noch nie, seit Beginn der Statistik. Etwa 73% der Betroffenen waren Frauen, zudem ist von einer höheren Dunkelziffer auszugehen, da nicht jede Tat gemeldet wird.
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) definiert alle Formen von körperlicher, sexueller, psychischer oder wirtschaftlicher Gewalt, zwischen Menschen, die in einer engen persönlichen Beziehung stehen oder standen, wie z.B. Partnerschaften, Ehen und familiäre Beziehungen, als häusliche Gewalt. Weiterhin heißt es in der Definition vom BMFSF, dass häusliche Gewalt auf Machtausübung und Kontrolle abziele. Zudem findet häusliche Gewalt häufig im Verborgenen statt und wird laut Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Christine E. Meltzer, besonders in der medialen Berichterstattung verzerrt dargestellt. Meltzer ist die Autorin der Studie „Tragische Einzelfälle? Wie Medien über Gewalt gegen Frauen berichten“ und hat rund 3500 Beiträge in bundesweiten Medien untersucht. Sie kritisiert, dass Bezeichnungen wie „Beziehungsdrama“, „Eifersuchtstat“ oder „Tragödie“ die strukturelle Problematik als Einzelfall verharmlosen würde. Die Größenordnung und Vielschichtigkeit von Gewalt gegen Frauen würde somit nicht korrekt dargestellt werden und somit auch die Wahrnehmung der Gesellschaft beeinflussen.
Dabei ist es für Betroffene enorm wichtig zu wissen, dass sie nicht alleine sind. Es kann jede unabhängig vom ökonomischen Status oder Bildungsgrad treffen. Daher sind Hilfsangebote, die sich explizit an Frauen richten, unerlässlich. Sie bieten einen besonders geschützten Rahmen, kennen sich mit den Herausforderungen und Bedürfnissen der Betroffenen aus und schaffen somit eine vertrauensvolle Basis, um den Weg in ein gewaltfreies Leben zu ebnen.
Wie präsent das Thema Sicherheit ist, wird auch in den Zitaten unserer Bewohnerinnen deutlich, als sie gefragt wurden, was eine Einrichtung wie die Icklack für sie bedeutet:
„Die Icklack ist für mich ein sicherer Ort, wofür ich dankbar bin. Er gibt einem Perspektiven um im Leben voran zu kommen“ (N. 42j.)
„Für mich ist die Icklack ein Neustart in ein besseres Leben, man kümmert sich darum, dass ich eine Wohnung bekomme, man hilft bei Ämtergängen und man kann sich sicher und geborgen fühlen“ (V. 36j)
„Ein Zuhause und Zufluchtsort, der mir Sicherheit gab, als ich niemanden hatte“ (M 24j)
„Ein Ort der mir zeigt nicht alleine zu sein. Ein Ort der mir ein Zuhause gibt“ (A 26j)
„Ich fühle mich in der Icklack sicher und erhalte jede Unterstützung und Beratung von den Sozialarbeiterinnen, die man sich wünschen kann“ (Z. 68j)
von Nina Brauckhoff (stellv. Leitung der Icklack)