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Melanchthonkirche

# Verlorene Kirchen

Veröffentlicht am Montag, 2. Oktober 2017 16:43 Uhr
Melanchthonkirche

Die Hallenkirche in norddeutscher Backsteingotik besaß ein wuchtiges Westwerk, das mit zwei Turmhelmen abgeschlossen und 80 Meter hoch war. Der Grundriss der Kirche hatte die Form eines lateinischen Kreuzes. Das Kirchengestühl bot einschließlich der beiden Seitenschiffe und drei Emporen insgesamt 1250 Gläubigen Platz. Ein Wimperg mit Dreipass bekrönte das Portal, dessen Gewände die beiden Eingangstüren begrenzte. Die Gewände der Bogenfenster liefen leicht spitz zu. An das Langhaus mit einer Länge von 51 Metern schloss sich der polygonale Chor an. Er wurde eingefasst von einem Kranz aus Kapellen. Im Westwerk befanden sich drei Bronzeglocken. Das Innere der Kirche war kunstvoll ausgemalt.

Das Grundstück an den Schlächterwiesen am Urbanhafen, im Eigentum der Stadt Berlin, wurde in historischen Plänen als Kirche oder Marktplatz ausgewiesen. Es lag in einer Sichtachse, die von Peter Joseph Lenné als wichtiges städtebauliches Element verwendet wurde. Sie verlief zwischen dem Südstern, wo später die Garnisonkirche errichtet wurde, und der St. Michael-Kirche. Am 16. Mai 1894 vereinbarten die Gemeinde der Heilig-Kreuz-Kirche, die Provinzialsynode und der Magistrat von Berlin, dass dort eine neue Kirche errichtet werden sollte. Das Grundstück blieb im Besitz der Stadt, Schirmherrin für den Kirchenbau war Kaiserin Auguste Viktoria. Das Vorhaben wurde vom Evangelischen Kirchenbauverein unterstützt. Die Grundsteinlegung erfolgte am 30. Mai 1904, die Einweihung fand in Gegenwart des Kronprinzen am 31. März 1906 statt. Am 15. September 1906 wurde die Melanchthongemeinde von der Gemeinde der Heilig-Kreuz-Kirche abgetrennt und selbstständig. Während des Zweiten Weltkriegs zerstörten im Jahr 1944 Brandbomben bei alliierten Luftangriffen das Kirchengebäude stark. Es wurde am 16. Oktober 1953 gesprengt und anschließend abgetragen, da die Stadt, der noch immer das Grundstück gehörte, das Klinikum Am Urban dort erweitern wollte. Viele noch nutzbare Bestandteile wurden bereits vorher ausgebaut und in Kirchen in ganz Berlin verwendet. Die Bibelausgabe, das Taufbecken und das von Kaiserin Auguste Viktoria gestiftete Abendmahlgeschirr aus der alten Kirche wurden ebenfalls gerettet und waren bis Herbst 2014 in der neuen Kirche im Gebrauch. Seitdem ist es verschwunden, was dem um sich greifenden Buntmetalldiebstahl zugeschrieben wird.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/...