Entdeckungen in der Hoffnungsgemeinde

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Entdeckungen in der Hoffnungsgemeinde

Wie interessant, wenn man selbst neu ist im Leben einer Gemeinde ist und dann feststellt, dass diese Gemeinde selbst im Blickpunkt von Verantwortlichen der Diakonie und Kirche aus ganz Deutschland steht! Da treffen so viele Wahrnehmungen und Blickrichtungen aufeinander, dass es sich lohnt, davon zu berichten!

Anfang April trafen sich beim „Bundesnetzwerktreffen 2019“ in Frankfurt-Niederrad Menschen, die sozialräumliche Projekte innerhalb der Diakonie und den Landeskirchen betreiben oder unterstützen. Das Motto des zweitägigen Workshops hieß: „Zwischen Schlafsack und Nadelstreifen – Kirche-sein in einer zerrissenen Gesellschaft“. Für mich als neuem Pfarrer der Hoffnungsgemeinde war das ein idealer Anstoß, die neue eigene Gemeinde mit dem Spiegel der vielen Augen selbst wahrzunehmen.

Am ersten Tag haben Dr. Friedhelm Kirmeier und ich einen Workshop geleitet, in dem wir vom Leben der Hoffnungsgemeinde in den verschiedenen Vierteln erzählt haben. Dabei haben wir uns vom neuen Logo der Hoffnungsgemeinde leiten lassen. Dieses von Peter Wagner gestaltete vielfarbige Erkennungszeichen stellt die verschiedenen Quartiere der Gemeinde in farbigen Flecken dar und verbindet sie durch kreuzförmige Linien: Westhafen, Gutleutviertel, Bahnhofsviertel, Teile vom Gallus-Viertel, und der südliche Teil des Westends. 

Logoentwicklung - Peter Wagner


Amanda Bruchmann, die zusammen mit Lena Landrock das von der AWO betriebene Nachbarschaftsbüro im Gutleutviertel als Quartiersmanagerinnen leitet, war dabei und hat ihre Wahrnehmung beigesteuert. Es gibt keine Schulen im Gutleutviertel, sondern nur im Bahnhofsviertel und im Westend. Dafür Kirchen und Moscheen! Und wie unterschiedlich Menschen leben! Wie fern sich naheliegende Straßen sind, wenn sie nicht durch öffentlichen Nahverkehr verbunden werden – für ältere Menschen sind das oft weite Distanzen: Oft war vom Hafentunnel die Rede, der das Gutleutviertel mit der Matthäuskirche verbindet – für viele ist das ein weiter Weg.

Parallel zu unserem Workshop wurde auch das Bahnhofsviertel präsent, weil die Arbeit der Diakoniekirche „Weser 5“ vorgestellt wurde, die eine wunderbare Arbeit für viele Hilfesuchende und besonders Obdachlose im Bahnhofsviertel ist, und die frühere Weißfrauenkirche ist eine der Ursprungskirchen der Hoffnungsgemeinde ist und als alter Ort der Winterspeisung vielen bekannt.

Was uns beim Workshop weiter noch geleitet hat, waren diese 5 Gedankengänge:

  1. Wahrnehmen und nochmal wahrnehmen.
    Es gibt so viele verschiedene Blickwinkel, mit den das sozialräumliche Leben wahrgenommen und gesichtet werden kann. Einkaufen, Schulen, Altenhilfe, Straßen, Leben für Menschen mit Behinderungen, soziale Unterschiede, Miet- und Wohnungspreise – was ein weites Feld!
  2. Eigene Standorte und Ressourcen sichten.
    Für uns waren das zunächst die Matthäuskirche und das Gemeindehaus, die Kaffeestube, die beiden Kitas am Westhafen und das Kinderhaus Matthäus in der Niedenau, das Angebot für Seniorinnen und Senioren im Brentanohaus, im Cronstettenstift und Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum. Bei dieser Aufzählung wird deutlich, dass wir vieles tun und gleichzeitig begrenzte Möglichkeiten haben.
  3. Kooperationen sichten und pflegen.
    Wie wichtig, dass wir nicht alles allein tun, sondern manches in guten Kooperationen geschieht mit verschiedenen Partnern. Amanda Bruchmann erzählte stolz vom Reparatur-Café in der Kaffeestube als gelungenem Beispiel einer solchen Kooperation.
  4. Entscheidungen treffen und Schwerpunkte setzen. 
    Es gibt viel Not und viel zu tun und dennoch sind die Kapazitäten auch begrenzt und es geht nicht ohne das Setzen von Schwerpunkten und die Bitte „segne unser Tun und Lassen“. So will die Hoffnungsgemeinde den für viele geliebten Standort der Hirtenkapelle an die Caritas übergeben, die ihrerseits mit dem Projekt „Herauswagen“ dort einen Schwerpunkt setzt.
  5. „Eine“ Gemeinde sein. 
    Das wird als Aufgabe dabei sichtbar. Nicht nur heute hier und morgen dort zu sein, sondern Menschen zu verbinden und über vielerlei Grenzen hinweg Verbundenheit erlebbar machen.


Führung durch das Viertel mit Werner Fuchs

Am zweiten Tag hat Werner Fuchs, der lange Jahre Kirchenvorsteher der „Gemeinde am Hauptbahnhof“ und dann der Hoffnungsgemeinde war und viel erzählen kann, noch einen Spaziergang angeboten vom Bahnhofsviertel zum Westend, an der Matthäuskirche vorbei ins Europaviertel und von dort zum Hauptbahnhof. Atemberaubend, an wie vielen Stellen Unterschiede und Herausforderungen so nahe bei einander sind und welche Aufgabe darin liegt, Menschen zu verbinden.

Andreas Klein

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