Seelsorge

# ABC des Glaubens

Seelsorge

Seelsorge ist der Versuch, einen anderen Menschen in seiner besonderen Situation zu stärken und zu stützen. Wir lassen uns dabei von der Gewissheit leiten, dass Gott keinem Menschen fern ist.

Wie Seelsorge geschehen kann, erzählt schon das Lukasevangelium (Lukas Ev.24, 13-33): Zwei Männer sind auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Sie sind verstört darüber, dass Jesus gekreuzigt wurde. Sie sind traurig, enttäuscht und ratlos. Da gesellt sich ein Dritter zu ihnen. Dieser Dritte hört zunächst einfach nur zu.

Dann fragt er behutsam nach und das Unfassbare wird aussprechbar. Für das, was geschehen ist, finden sich Worte und es kann - vielleicht auch nur versuchsweise - aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden. Vertrauen entsteht.

In Emmaus angekommen wird der Dritte eingeladen, zu bleiben. Gemeinsam sitzen sie am Tisch - auf Augenhöhe. Zuerst wurde der Schmerz mitgeteilt, jetzt wird das Brot geteilt. Die entstandene Beziehung selbst ist das Brot, das stärkt.

Der Dritte (der auferstandene Jesus) muss nun auch gar nicht mehr körperlich gegenwärtig sein. Die aber eben noch in ihrer Trauer Verschlossenen spüren wieder Leben in sich, stehen auf und kehren in den Alltag zurück.

Seelsorge ist eine Kernaufgabe der Kirche. Sie geschieht im Besonderen als Krankenhausseelsorge, als Telefonseelsorge, Notfallseelsorge, Gefängnisseelsorge, Militärseelsorge, aber natürlich auch im Alltag der Kirchengemeinde.

Zu einer seelsorgerlichen Grundhaltung gehört ein gutes Maß an Einfühlungsvermögen, die Echtheit der eigenen Person und die Akzeptanz des Gesprächspartners. Gelingt es, im seelsorgerlichen Gespräch eine vertrauensvolle Beziehung wachsen zu lassen, dann leuchtet darin etwas auf von der Nähe Gottes in jeder noch so schwierigen Situation.

Wo dies erlebbar wird, da lösen sich seelische Verkrampfungen, wir werden freier und lebendiger und manchmal auch mutiger für den nächsten Schritt.

Pfarrer Erhard Wurst


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