Leichlingen Kompetenz in Spiel und Rede - Ausreizen der Klangschönheit

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Veröffentlicht am Montag, 19. August 2019 00:00
Leichlingen Kompetenz in Spiel und Rede - Ausreizen der Klangschönheit

Leverkusener Anzeiger , 19.8.2019

Leichlingen Kompetenz in Spiel und Rede - Ausreizen der Klangschönheit

Von Frank Weiffen Michael Porr wird im aktuellen Programmheftchen des Leichlinger Orgelsommers wie folgt zitiert: „Die Abwechslung von Improvisation und Interpretation ist für mich am reizvollsten.“ Diese Selbsteinschätzung zeigt schon, wie facettenreich das Spiel dieses Organisten ist, der als Kantor schon seit Jahren an der Opladener Bielertkirche wirkt und unter anderem den renommieren Bachchor Leverkusen leitet: Michael Porr mag sich nicht auf ein Genre, auf ein Metier der Orgelmusik festlegen. Er liebt den breiten Überblick. Das „Was ist alles möglich an diesem Instrument?“. Sein Konzert beim Orgelsommer ist somit das wohl abwechslungsreichste des diesjährigen Festivals.  Den Einstieg wagt er mit Johann Sebastian Bachs „Concerto in G-Dur“ sowie dessen Stück „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr“. Es ist das ganz klassische Ausreizen dessen, was an Melodieverspieltheit und Klangschönheit möglich ist an der Orgel. Unmittelbar darauf folgt zunächst César Francks Choral „Nr.1“ in E-Dur, der mit Opulenz besticht. Improvisationen über „Somewhere over the rainbow“ und „There’ll never be another you“ zeugen nicht zuletzt von Michael Porrs Liebe zum Jazz. Und schließlich sind da noch jene drei Stücke, die an diesem Abend als Besonderheiten par excellence durchgehen: Seine Eigenkomposition „Sonata piccola“ für Orgelpedal zeigt trotz der Kürze – aber eben ob des reinen Pedalspieles –, was alternatives Spiel an diesem Instrument heißt und zu leisten vermag. Jan Peterszoon Sweelincks „Fantasie auf die Manier eines Echo“ reizt die tonale Lautmalerei maximal charmant aus. Und Vincenzo Bellinis „Sonata per Organo“ beweist mit dem beinahe dramatischen Wechsel der Dynamik, wie bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts progressiv und, wenn man so will, radikal gedacht wurde. Dass einer wie Michael Porr über das Spiel am Instrument hinaus auch Talent zum launigen Redner hat und so ein Konzert mit einer Einführung zwischen Witz und Fachkompetenz zu einem kleinen Happening im vollen Gotteshaus werden lässt, rundet diesen Abend in der Kirche am Marktplatz ab.

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