
Eigentlich war der Abschiedsgottesdienst schon gefeiert, da musste zumindest Birte Schwarz nochmal ran: die Kinder konfirmieren. Und zwar (auch) die eigenen. Die Zwillinge Lenya und Finya waren nämlich unter den diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden in Lohra. Und auch wenn sie und ihr Mann Dr. Jonathan Schwarz schon auf dem Sprung in die neue Gemeinde nach Sterzhausen waren, gab es den Gottesdienst dann noch als „Zusatzspiel“.
Gemeinsam noch einmal neu anfangen – das war 2011 die Motivation für Birte und Jonathan Schwarz, als Ehepaar die frei werdende Pfarrstelle im unteren Lahntal zu übernehmen. Beide waren noch im Probedienst und sprachen den damaligen Dekan an, ob das nicht möglich wäre. Es war möglich, der Kirchenvorstand einverstanden und die beiden kamen nach Lohra. Es sei die ideale Stelle gewesen, sagen die beiden, aber auch eine große und anspruchsvolle Gemeinde, die sie da erwartet hat.
„Es gehören zwei Kindergärten zur Gemeinde, einer musste zu Beginn unserer Dienstzeit dann auch gleich mal komplett renoviert werden“, erinnert sich Jonathan Schwarz. Und mit der Innensanierung der Kirche hatten sie noch ein zweites großes Bauprojekt zu betreuen. Jonathan Schwarz ist zuvor als Pfarrer mit Forschungsauftrag am Hans-von-Soden-Institut tätig gewesen, Birte in den Gemeinden Niederasphe, Treisbach und Simtshausen, die sich kurz zuvor zu einem Kirchspiel zusammengeschlossen hatten. Kennengelernt haben die beiden sich während des Studiums in Heidelberg.
Birte Schwarz kommt ursprünglich aus dem Sauerland, Jonathan Schwarz aus Nordhessen – und ist in seinem Leben noch nie so lange an einem Ort gewesen wie jetzt in Lohra. „Das ist mein 14. Umzug in 48 Jahren“, sagt Jonathan Schwarz. Beide Eltern sind Pfarrer gewesen und durch deren Scheidung und diverse Ortswechsel war er nie lange irgendwo zuhause. Zur Theologie kam er gewissermaßen über Umwege: Eigentlich hatte er Pilot werden wollen und begonnen, Medizin zu studieren. Dann kam aber die Begeisterung für theologische und philosophische Inhalte durch.
Birte Schwarz hat sich in ihrer – überwiegend katholischen – Heimat bei den Pfadfindern engagiert und mit ihrer damaligen Band viele Gottesdienste musikalisch begleitet, erzählt die 46-Jährige. „Als ich kurz vor dem Abitur in einer Lebenskrise steckte, habe ich in einem katholischen Gottesdienst eine richtig gute Predigt gehört, die mir wieder ganz viel Hoffnung gegeben hat.“ Von da an hatte sie den Wunsch, anderen Menschen auch solche Hoffnung zu geben. Und kurz vor dem Abitur dann die Entscheidung, nicht wie geplant Psychologie, sondern Theologie zu studieren.
„Wir haben uns sehr, sehr wohl gefühlt in Lohra“, bestätigen beide. Neugierde auf das Neue und Trauer um das Alte halten sich momentan noch die Waage. „In Lohra haben wir sehr viel Engagement auf ganz verschiedenen Ebenen erlebt, viele Ehrenamliche“, sagt Jonathan Schwarz. „Hier waren und sind viele tolle Menschen, mit denen ich gern zusammengearbeitet habe und dir mir sehr ans Herz gewachsen sind“, ergänzt seine Frau. Das Pfarrerehepaar freut sich auf die neuen Begegnungen in Sterzhausen – räumlich gar nicht so weit entfernt, aber zum Kirchenkreis Kirchhain gehörig.
Die Entscheidung, in der Nähe zu bleiben, haben die beiden sehr bewusst getroffen, um den drei Kindern einen Schulwechsel zu ersparen. Die Zwillinge, die beim Dienstantritt ihrer Eltern in Lohra zur Welt kamen, sind jetzt 14, Malina wird elf. Dass Birte Schwarz die Konfirmation in der Gemeinde noch selbst feiern wollte, hat auch mit ihrer besonderen Begeisterung für die Konfirmanden- und Jugendarbeit zu tun. Von 2020 bis 2023 war sie nicht in der Gemeinde, sondern als Kreisjugendpfarrerin in Marburg tätig und der Kontakt mit jungen Menschen ist für sie nach wie vor eine besondere Freude in ihrer Arbeit, so die Pfarrerin.
Die Nachfolge von Birte und Jonathan Schwarz hat Pfarrerin Alwine Schulze angetreten. Ihr Einführungsgottesdienst wird am 17. August stattfinden.
Bildunterschriften:
Verabschiedung Schwarz_Birte und Jonathan_Foto privat: Nach vierzehn Jahren haben Birte und Dr. Jonathan Schwarz das Pfarramt in Lohra Richtung Sterzhausen verlassen. Foto: privat