Dorfjubiläum 1175 Jahre Gleichen- Predigt

# Neues aus Kirchberg-Metze

Dorfjubiläum 1175 Jahre Gleichen- Predigt

Hier zum Nachlesen die Predigt des Festgottesdienstes zum 1175-jährigen Jubiläum in Gleichen: 


Liebe Festgemeinde, liebe Gleichener, liebe Gäste,

Gleichen feiert ein Fest. 1175 Jahre ist dieses Dorf schon alt, vor so vielen Jahren gab es zumindest die erste urkundliche Ernennung dieses Dorfes.

Wenn wir uns diese Zahl- 1175 Jahre- auf der Zunge zergehen lassen, dann merken wir: das ist ein Stück Menschheits-geschichte.

Vor 1175 Jahren gab es keine Elektrizität, keine Traktoren, keine Telefone oder Instagram. Ein Tag war bestimmt von der Sonne: hell am Morgen, dunkel am Abend. Und es gab den kalten, gefährlichen Winter, den man überleben musste und die kurze warme Zeit, in der man selbst aber auch die Natur auftaute und man alles fand, was man zum Überleben brauchte. Die meisten Menschen lebten als Bauern, und kaum einer verließ jemals sein Dorf.

Es gab noch keinen Buchdruck- alles wurde mit Hand auf Pergament geschrieben. Das taten meist Mönche in Klöstern wie Fulda oder Fritzlar. Nachrichten verbreiteten sich langsam- nur zu Fuß oder per Reiter. Und von den Herrschenden Karolingern des Frankenreiches, zu dem man gehörte, hörte man hier in Gleichen wenig und lebte ein einfaches Leben.

Das Christentum breitete sich stark aus zu dieser Zeit und viele Dörfer bekamen ihre ersten kleinen Kapellen (manche noch aus Holz gebaut). In den vielen Jahrhunderten danach wurden an ihrer Stelle große steinerne Kirchen gebaut, die wir heute noch als Zeugen längst vergangener Zeiten haben.

In diesen vergangenen Zeiten haben hier unzählige Menschen gelebt. Generationen, die wir nicht mehr kennen, deren Namen vergessen sind. Familien, von denen es keine Fotos gibt, noch nicht mal Gemälde, die einfach verschwunden sind, deren Gene aber zum Teil in manchen von uns hier noch stecken. Obwohl wir ihre Namen nicht mehr kennen, haben sie doch Spuren hinterlassen.

Sie haben Häuser gebaut, Felder bestellt, Kinder großgezogen. Sie haben gebetet und gehofft, gelacht und geweint. Manche haben schwere Zeiten ertragen: Hungerjahre, Kriege, Not und andere private Tragödien. Andere erlebten Aufschwung, Feste, Hochzeiten, Neubeginn.

Wenn wir heute zurückschauen, dann sehen wir: Wir sind Teil einer großen Kette. Wir tragen weiter, was sie uns hinterlassen haben – und wir geben es weiter an die, die nach uns kommen.

Darum ist ein solches Jubiläum immer auch ein Moment der Dankbarkeit. Dankbarkeit für das, was war, und Dankbarkeit für das, was wir heute haben.

Dankbar dürfen wir sein für die Gemeinschaft, die dieses Dorf über Jahrhunderte getragen hat. In kleinen Orten wie Gleichen weiß man: Man ist nicht allein. Wenn das Vieh krank war, hilft der Nachbar. Wenn das Haus brannte, eilte die Dorfgemeinschaft herbei. Und wenn die Glocken läuteten, versammelten sich die Menschen in der Kirche.

Die Kirche – sie war und ist immer mitten im Dorf, mitten im Leben- hier in Gleichen ist das sichtbarer und eindrucksvoller als anderswo. Obwohl wir diesen Festgottesdienst unter Gottes schönem Himmel feiern und nicht in der (zu kleinen) Kirche, denken wir an dieses Gebäude, das für viele von uns Heimat bedeutet und eng mit der eigenen Lebensgeschichte verwoben ist. In der Kirche wurden Kinder getauft, Jugendliche konfirmiert und in die Erwachsenenwelt geschickt, Paare getraut, Verstorbene verabschiedet. Hier hörte man Gottes Wort, fand Trost und Stärkung und kam als Dorfgemeinschaft zusammen.

Heute an einem Sonntagsgottesdienst kommt nicht mehr die Dorfgemeinschaft zusammen- vielmehr eine kleinere Gebetsgemeinschaft.

Denn vieles ist heute anders. Wo früher Kirche selbstverständlich war und der Sonntag und die Feste des Kirchenjahres das Leben strukturierten, da ist heute viel mehr Individualität, Säkularisierung und Wandel.

Manches, was früher Tradition war, wird heute hinterfragt. Und ich möchte das auch gar nicht schlecht reden.

So fragen sich viele: „Wozu brauche ich noch „die Kirche“? Was hat sie mit meinem Leben zu tun?“

Eine Antwort ist für mich: Es geht um den eigenen Glauben, den man in und durch die Kirche finden kann und der einen stärkt, Halt und Trost gibt. Der Glaube daran, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Der Glaube daran, dass die Liebe größer ist als der Hass und daran, dass es jemanden gibt, der uns bedingungslos liebt, weil er uns geschaffen hat. Ein Glaube, der die Nächstenliebe hochhält, um die es im Miteinander in jeder Gemeinschaft doch geht und die so wichtig ist.

 

Unser Miteinander fußt auf solchen Regeln und Werten, die im Christentum verankert sind. Auch das Miteinander in einem Dorf wie Gleichen fußt auf solchen Regeln und Werten.

„Aufstehn, aufeinander zugehn, voneinander lernen, miteinander umzugehen und uns nicht entfernen, wenn wir etwas nicht verstehn.“ (EG+ 130 Text und Melodie: Clemens Bittlinger) So ein Liedtext eines bekannten Kirchenlieds für Kinder, der hier richtig gut passt.

Apropos Kinder, steht doch mal auf und kommt hier hoch, denn ihr habt etwas Tolles mit Steffi und Natalie vorbereitet!

(Kinder kommen auf die Bühne)

 

Das Miteinander und auch die Menschen in Gleichen sind bunt und vielfältig. Welches Symbol passt da besser als der bunte Regenbogen? Der Regenbogen, der gleichzeitig ein Zeichen für Gottes Verlässlichkeit und das Band zwischen ihm und uns ist. Die Farben des Regenbogens und was diese bedeuten können für uns als Gemeinschaft, das tragen uns nun die Kinder einmal vor mit einem Gedicht/ Liedtext ("Farbigkeit steckt an", Atem des Lebens 196, Text: Eugen Eckert 2009, Melodie: Joachim Raabe 2009) .

  • Grün steht für die Hoffnung, dass das Leben glückt. Wo die Wüsten blühen, Frühlingsdüfte sprühen, kommst du, grün geschmückt.

Die Hoffnung, dass es weitergeht in schwierigen Zeiten. Dass Hilfe da ist von Nachbarn und Freunden und Familie. Und die Hoffnung, dass Neues wachsen kann für unsere Zukunft und für Kinder- das ist wichtig für Gleichen.

  • Gelb, hell wie die Sonne ziert dich warmes Licht, so dass Vögel singen, Tiere fröhlich springen, Glanz spielt im Gesicht.

Die Fähigkeit, Feste zu feiern, Erfolge zu teilen und Freude miteinander zu teilen in Dankbarkeit und Offenheit- das ist wichtig für Gleichen.

  • Rot, so wie die Liebe, Feuer, Flamme, Glut. Selbst an schlechten Tagen kann mein Herz hoch schlagen: dein Rot färbt mein Blut.

Der Zusammenhalt, der auf Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und Einsatzbereitschaft fußt- leidenschaftlich, mit Hingabe, mit Diskussionen und manchmal auch mit Streit, der aber durch ein gemeinsames Glas Bier und klärende Worte wieder geschlichtet werden kann. Das ist wichtig für Gleichen.

  • Blau, mein Blick zum Himmel ahnt Unendlichkeit. Eine tiefe Saite klingt in mir nach Weite und Geborgenheit.

Räume schaffen, in denen man sich geborgen fühlt, die Ruhe und Vertrauen ausstrahlen, wo Tiefe und Sinn ihren Platz haben- das ist wichtig für Gleichen.

  • Gott, in bunten Tönen rühr mein Leben an. Lass mich staunend sehen, wie dir Farben stehen: Farbigkeit steckt an.

Ich wünsche uns allen, dass wir uns im täglichen Miteinander und nicht nur auf diesem wunderbaren Fest uns von der Farbigkeit und der Vielfalt Gleichens anstecken lassen.

So wie der Regenbogen Himmel und Erde verbindet, so mögen auch die Bewohner:innen von Gleichen miteinander verbunden sein. Mit sich, mit ihrer Geschichte, mit ihrer Gegenwart und mit der Zukunft, in die Gott uns begleiten wird. Denn er ist treu und hält zu uns. Gestern, heute und alle Tage unseres Lebens.

 AMEN


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