„Gott ist unsre Zuversicht und Stärke.“ (Psalm 46,2)

# Zum Nachdenken

„Gott ist unsre Zuversicht und Stärke.“ (Psalm 46,2)

Monatslosung September

 „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke.“ (Psalm 46,2)

Klingt das nicht erstmal wie eine dieser kraftvollen, aber vielleicht etwas angestaubten Floskel, die man auf alten Kirchenmauern liest? Ein bisschen wie „In Treue fest“ oder „Gott mit uns“? Aber halt! Stopp! Bevor wir diesen Satz in die Schublade der wohlklingenden, aber bequemen Frommheits-Sprüche stecken, lohnt sich ein zweiter Blick. Und der zeigt: Dieser Psalm ist alles andere als bequem. Er ist ein echter Aufreger – und ein unfassbar hoffnungsvoller noch dazu!

Stellen Sie sich vor: Belagerung, Angst und ein Lied der Hoffnung

Ursprünglich war dieser Psalm der ultimative Hoffnungsanker für die Menschen im belagerten Jerusalem. Die Feinde standen vor den Toren, die Lage schien aussichtslos. Und genau in diesem Moment ertönt nicht der Ruf zu noch mehr Waffen oder noch höheren Mauern, sondern dieses Lied: Gott ist unsere Zuversicht und Stärke. Es ist eine Einladung, nicht in Panik zu verfallen, sondern sich an einer tieferen, unerschütterlichen Wahrheit festzuhalten.

Mehr als nur ein Kampflied – ein Friedensmanifest

Man könnte meinen, das sei eine Durchhalteparole für den eigenen Sieg. Weit gefehlt! Wenn man genau hinsieht, ist Psalm 46 regelrecht ein antikes Antikriegslied. Da wird nicht Gott als Oberbefehlshaber der eigenen Armee beschworen. Ganz im Gegenteil! Der Psalm sagt: „Er (Gott) macht den Kriegen ein Ende…“. Nicht wir Menschen mit noch mehr Diplomatie (so wichtig die ist!) und schon gar nicht mit noch mehr Gewalt, sondern Gott selbst ist es, der die Waffen niederlegt – und sie zerstört! Was für ein fantastisches, fast utopisches Bild!

Von Luther bis heute: Eine „feste Burg“ für den Frieden

Martin Luther hat auf dieser Grundlage sein berühmtes Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ geschrieben. Leider wurde diese „Burg“ im Laufe der Geschichte oft missverstanden. Sie wurde zur Festung umgebaut, von der aus man gegen andere kämpfte. Nationalismus und Religion gingen eine gefährliche Liaison ein. Doch das ist genau das Gegenteil von dem, was der Psalm will! Eine feste Burg ist kein Ort, von dem aus man schießt, sondern ein Ort, in dem man Geborgenheit und Frieden findet – und von dem aus man die Hoffnung auf Frieden für alle in die Welt trägt.

Und was bedeutet das jetzt für mich? Für uns?

Wenn wir heute Nachrichten aus der Ukraine, aus Gaza, dem Sudan und so vielen anderen Orten sehen, fühlt sich diese Hoffnung manchmal ziemlich… naiv an. „Gott macht den Kriegen ein Ende?“ Wirklich? Jetzt?

Genau hier wird aus dem frommen Spruch ein Gebet wider alle Hoffnungslosigkeit. Es ist kein Rückzug in eine heile Traumwelt, sondern ein aktives Festklammern an der Vision Gottes für diese Welt: Eine Welt des Friedens.

Deshalb ist diese Monatslosung eine Einladung an uns:

  • Für die ganz persönlichen Belagerungen: Wo stehe ich selbst gerade unter Druck? Wo drohe ich, in Angst zu versinken? Der Psalm lädt ein, durchzuatmen und zu sagen: „Meine Zuversicht kommt nicht aus meiner eigenen Kraft, sondern aus Gott. Er ist mein Fels.“
  • Für unsere Gemeinschaft: Er erinnert uns daran, dass wir als Gemeinde eine „feste Burg“ sein dürfen – ein Ort der Sicherheit, des Trostes und der Geborgenheit für alle, die angefochten sind.
  • Für die große, weite Welt: Er treibt uns an, nicht aufzuhören, für den Frieden zu beten und zu arbeiten. „Gott, zerbrich Bogen und Spieße – überall!“ Diese Zuversicht ist unsere Stärke. Sie gibt uns die Kraft, nicht nachzulassen in unserem Einsatz für Versöhnung, genau dort, wo wir stehen.

In diesem Sinne: Eine gesegnete, zuversichtliche und starke Zeit wünscht Ihnen

Ihre Evangelische Pfarrgemeinde Vöcklabruck

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