
Gottesdienste und Gottes Schöpfung – Alwine Schulze kommt als Pfarrerin nach Lohra
Lohra, den 11. August 2025 – Es ist erst wenige Tage her, da hat sie ihre Promotion mit „summa cum laude“ geschafft, nun wird sie offiziell in ihrer ersten Pfarramtsstelle begrüßt: Alwine Dorothea Schulze ist seit dem 1. Juli Pfarrerin in Lohra und die Nachfolgerin von Birte und Dr. Jonathan Schwarz. Ehrenamtlich als Umweltbeauftragte des Kirchenkreises Marburg aktiv, liegt ihr Gottes Schöpfung besonders am Herzen. Und worauf sie sich schon am meisten freut, das sind die Gottesdienste.
„Große und schöne Gottesdienste“. Feste, an denen viele Menschen beteiligt sind und zu denen viele Menschen kommen. Alwine Schulze ist die Vorfreude anzumerken, wenn sie von ihrer ersten Stelle als Pfarrerin spricht. Dass sie diesen Beruf gewählt hat, liegt an ihrem Interesse an der Arbeit mit Menschen. „Persönliche Kontakte sind mir sehr wichtig“, erklärt die 33-Jährige. „Im Pfarrberuf nimmt man Anteil an den Lebensgeschichten anderer, man begleitet ihre Erfahrungen und ihre Entwicklung.“
Bereits der Großvater war Pfarrer, die Mutter Kirchenmusikerin. Schon als kleiner Stöpsel sei sie im Kirchenchor und beim Krippenspiel dabei gewesen. Das Thema Umwelt- und Naturschutz ist ihr neben der Theologie ein ganz besonderes Anliegen – beziehungsweise sie sieht es in direktem Zusammenhang mit der Theologie. Den Auftrag, Gottes Schöpfung zu bewahren, möchte sie gern in und mit ihrem jetzigen Umfeld voranbringen, ganz konkret und im Kleinen. Viele Menschen in Lohra kommen aus der Landwirtschaft und sie freut sich darauf, von den Gemeindegliedern zu lernen, sagt Alwine Schulze.
Mit der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) hat sie schon Baumpflanzaktionen organisiert und sie gehört der lokalen Gruppe von GreenFaith an. Auch zu anderen gesellschaftlichen Themen bezieht sie klar Stellung. „Wir müssen Ankerpunkte deutlich machen“, sagt Alwine Schulze. Das Wiedererstarken von Rechtsextremismus beispielsweise sei eine große gesellschaftliche Aufgabe. Zu der sich auch die Kirche positioniere. Gerade in kleineren Orten sieht die Pfarrerin die Möglichkeit, Menschen, die sich für ein demokratisches Miteinander einsetzen, zu unterstützen.
Die Auseinandersetzung mit politischen Fragen sei ebenfalls etwas, das sie von ihrer Familie mitbekommen habe. Und allein schon Pfarrerin zu sein in der heutigen Zeit sieht sie als ein gewisses politisches Statement – „es ist heute nicht mehr Mainstream, zur Kirche zu gehören“. Damit sei auch ein anderes Selbstbewusstsein und Selbstverständnis verbunden als früher. In diesem Kontext sieht sie auch ihren Ordinationsspruch: „Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.“
In diesem Satz stecken für die Pfarrerin „so viele schöne Worte und so viele Themen“. Und den Morgenstern hat sie schon als sehr konkretes Bild vor Augen, wenn sie an ihren ersten Weihnachtsgottesdienst denkt, verrät sie. Einer dieser schönen, großen Gottesdienste, auf die sie sich so freut. Und auf das Licht aufzupassen – das nimmt sie als ein herausforderndes Bild mit in ihre Arbeit. Das und den Anspruch, „sich immer wieder berühren zu lassen von dem, was in der Welt im Großen und bei den Menschen im Kleinen passiert“.