
„Was tun, Herr Pfarrer Günther?“ - Diese Frage stand am Dienstagabend im Zentrum einer Diskussionsrunde, zu der die Kolpingfamilie Großentaft anlässlich ihres 130-jährigen Stiftungsjubiläums den Dechanten und leitenden Pfarrer des Pastoralverbunds eingeladen hatte. Zuvor war in der Kirche zusammen einen Festgottesdienst gefeiert worden. Diese abendliche Messe war dem Gedenken an den Seligen Adolph Kolping und gleichzeitig als Verlobter Tag der Großentäfter dem Heiligen Sebastian gewidmet.
Alle Stühle waren besetzt im Kolpinghaus, wo es nach dem Gottesdienst und einem deftigen Abendessen um die zukünftigen Weichenstellungen für christliches Leben in unseren Gemeinden ging. Josef Richter vom Kolping-Organisationsteam leitete das Gespräch mit einer Reihe persönlicher Kennenlernfragen an Pfarrer Günther ein, der erst seit gut einem Jahr im hessischen Kegelspiel tätig ist. Dass Markus Günther Bergsteigen liebt, wussten einige schon. „Gibt es etwas beim Bergsteigen, das Sie auch auf den priesterlichen Dienst anwenden können?“, fragte Josef Richter. Es gehe bei beidem viel um Ausdauer, um die Fähigkeit zur besseren Anpassung an unterschiedliche Bedingungen und darum, Dinge mit einer gewissen Distanz „von oben“ zu betrachten, erklärte Günther.
Bezüglich der Entwicklungen in der katholischen Kirche unter dem neuen Papst Leo XIV. brachte der Pfarrer die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Kirche nicht weiter auseinanderdriften möge. Er erwarte, dass Papst Leo sich um Friedensarbeit zur Versöhnung der Menschen bemühe. Den synodalen Weg der Kirche in Deutschland sieht Günther durchaus kritisch. Als neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz brauche es jemanden, der sich nicht kirchenpolitisch einseitig positioniere, sondern ausgleichend wirke. Es brauche eine Kirche in Deutschland, die sich nicht für den Nabel der Welt halte und eine bessere Kommunikation mit Rom aufbaue, befand er.
Was die Weichenstellungen für die katholischen Gemeinden im Pastoralverbund hessisches Kegelspiel betrifft, so stellte Pfarrer Günther unumwunden fest: „Die flächendeckende Pastoral ist am Zusammenbrechen.“ Die noch zu gründende, zukünftige Großgemeinde umfasse 28 Kirchtürme und angesichts des Priestermangels und allgemeiner Personal- und Finanzknappheit sei es klar, dass sich Zentren herausbilden müssten. „Da wird ein echter Kulturwandel notwendig sein“, dessen ist sich Günther sicher. Jahrhundertelang seien die Katholiken in unseren Gegenden darauf geprägt gewesen, dass der Pfarrer bestimme, wo es langgeht. Zukünftig hänge es mehr von der Eigeninitiative eines jeden Einzelnen ab, aufgrund von Taufe und Firmung Verantwortung zu übernehmen. Die Gemeinden werden vermehrt eigene Ideen entwickeln müssen, wie Christsein heute gelebt werden kann. Die neue Sichtweise beinhalte, dass nicht Dinge möglichst lange fortgeführt werden müssten, nur weil sie scheinbar immer schon so waren. Stattdessen müssten die Gläubigen einen Perspektivenwechsel vollziehen und sich selbst fragen: Was wollen wir? Wofür brennen wir? Wofür würden wir uns einsetzen? Er glaube daran, dass sich letztlich durch Anbetung und Besinnung auf Christus neue Wege öffnen werden, sagte der Pfarrer. „Wir haben eine gute Botschaft, wir müssen nur selber mehr daraus leben und sie in neuer, frischer Sprache rüberbringen“, ist Günther überzeugt.
Dieser positiven Perspektive pflichtete Josef Richter mit einem Zitat Adolph Kolpings bei. „Die Zukunft gehört Gott und den Mutigen!“





Mitgliederehrungen
Anschließend ehrte Josef Richter verdiente Mitglieder der Kolpingsfamilie Großentaft. Für 25 Jahre: Markus Kircher und Dagmar Neumeier-Veltum, für 50 Jahre: Reinhold Trabert, für 60 Jahre: Günter Pilz.

(v.l.n.r. Daniela Vögler, Günter Pilz, Josef Richter, Dagmar Neumeier-Veltum, Pfarrer Markus Günther, Claudia Gerhard)
Text: Lydia Hohmann
Bilder: Lydia Hohmann und Wolfgang Vögler