Unbeugsamer Missionar aus dem hessischen Kegelspiel

# Rückblicke

Unbeugsamer Missionar aus dem hessischen Kegelspiel

Gedenken an Abtbischof Sauer in Ufhausen mit Ehrengast Domkapitular Renze


Mit Abtbischof Bonifacius Sauer hat der Ort Ufhausen im Hessischen Kegelspiel einen Klostergründer und Missionar hervorgebracht, dessen Wirken die Christianisierung in Korea maßgeblich mit geprägt hat. Vor 76 Jahren, Anfang Februar 1950, starb Sauer nach auszehrender Kerkerhaft in einer winzigen Zelle im nordkoreanischen Pjöngjang. Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes und einer Lichterprozession zur Gedenkstelle vor dem ehemaligen Elternhaus hat die Gemeinde am vergangenen Samstag an den Abtbischof erinnert. Dessen Seligsprechungsprozess ist seit längerem im Gange.

Der Fuldaer Domkapitular Thomas Renze war der Einladung gefolgt und zelebrierte gemeinsam mit Pfarrer Markus Günther, Pfarrer Andreas Matthäi und Pfarrer Bernhard Preis in der Ufhäuser St-Laurentius-Kirche die Messe. Abtbischof Sauer habe unter Bedingungen, die sehr viel schwieriger waren als die heutigen, trotzdem nicht aufgegeben und sei nicht verzweifelt. Darin sei er ein Beispiel für uns alle, hob Renze in seiner Predigt hervor. „Auch wir müssen uns unterhaken und uns gegenseitig Halt geben, dafür sind wir eine Gemeinde“, appellierte der Domkapitular angesichts der Herausforderungen, vor denen die Kirche in Deutschland und auch im Bistum Fulda steht. Im Anschluss an den Gottesdienst zog der Gast aus Fulda bei winterlichen Temperaturen mit den Gläubigen in einer Lichterprozession von der Kirche aus zu dem Denkmal, das an Bonifacius Sauer erinnert. Dort wurde gemeinsam gebetet, unter anderem auch für die Seligsprechung des Abtbischofs und seiner Gefährten.

Wer dieser Mensch war, der 1877 in Oberufhausen in einfachen Verhältnissen als Joseph Sauer geboren wurde, davon konnten sich Domkapitular Renze und viele Interessierte nach der Prozession im Dorfgemeinschaftshaus ein Bild machen. Pfarrer Bernhard Preis hatte auf Grundlage seiner Recherchen im Benediktinerkloster Sankt Ottilien eine detailreiche Ausstellung zusammengestellt. Diese präsentierte er in einem Vortrag. Der enthielt interessante Einblicke in die Familiengeschichte Sauers, gespickt mit örtlichen Hausnamen. Von seinen Schwierigkeiten, das Abitur abzulegen, über den Eintritt ins Benediktinerkloster Sankt Ottilien bis hin zum Aufbruch nach Korea erfuhren die Zuhörer anhand der zusammengetragenen Bilder, Dokumente und Briefe. Auch die Gründung der ersten Abtei im südkoreanischen Seoul, die ständige Geldnot der Missionare und Sauers zahllose Bittbriefe nach Deutschland und Europa wurden anschaulich geschildert. Pfarrer Preis ging auf die entscheidenden Lebensstationen ein: Im Jahr 1921 war Bonifacius Sauer zum Bischof geweiht worden und musste im nordkoreanischen Tokwon eine neue Abtei aufbauen, die auch koreanische Priester und Ordensleute ausbildete. Das Kloster blühte durch die beharrliche Arbeit der Missionare auf, wurde allerdings nach dem zweiten Weltkrieg durch die Kommunisten zerstört. Sie verhafteten die Missionare und hielten sie unter unmenschlichen Bedingungen gefangen. Abtbischof Sauer und etliche seiner Mitstreiter überlebten diese Misshandlungen nicht.

Dass Bonifacius Sauer eine bemerkenswerte Persönlichkeit gewesen sein muss, ging aus dem Vortrag gut hervor. „Er konnte verschiedene Menschen, die ihm begegnet sind, sehr schnell begeistern“, sagte Pfarrer Preis. Bei seinen Recherchen hat er unter anderem herausgefunden, dass Abtbischof Sauer zwar Japanisch gelernt hatte, sein Koreanisch aber zeitlebens nicht besonders gut gewesen sei, weshalb er sich mit den Priesteramtskandidaten auf Latein verständigt habe. Den Ausführungen von Pfarrer Preis lauschte auch Klaus Hohmann, der Großneffe Abtbischof Sauers, der den Platz um das Denkmal in Ufhausen pflegt und in Stand hält.

An Abtbischof Sauers beeindruckender Persönlichkeit könne man ablesen, was die Kraft des Glaubens ausmache, kommentierte Domkapitular Renze nach dem Vortrag. Er sieht Sauers Wirken durch den anstehenden Weltjugendtag, der 2027 in Seoul stattfinden wird, noch einmal neu in den Fokus gerückt.









Text und Bilder: Lydia Hohmann

Dies könnte Sie auch interessieren