

Der Muttertag hat seine Ursprünge in der amerikanischen Frauenbewegung, diedurchaus progressive Ziele verfolgte: z.B. dass Söhne nicht mehr in Kriegen geopfert werden sollten.
Die Festlegung auf den zweiten Maisonntag erfolgte Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Methodistin Ann Maria Reeves Jarvis. Angeregt durch die Erinnerung an ihre verstorbene Mutter, ging es ihr darum, die oft verborgene Lebensleistung aller Mütter ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Danach verbreitete sich die Idee des mothering day über England international in Nordeuropa.
In der NS-Zeit wurde der Muttertag in Deutschland offizieller Feiertag und mit „Mütterweihen“ und „Mutterkreuz“ ausstaffiert – die Produktion von erforderlichem Menschenmaterial war dabei nicht nur ein Hintergedanke.
Wie sich eine Idee im Laufe der Zeit wandeln kann!
Für die Zukunft eine Anregung aus der Vergangenheit:
Die katholische Tradition begeht den Mai als Marienmonat und stellt eine Frau in den Fokus besonderer Andachten. Wie immer man auch zum Dogma der immerwährenden Jungfräulichkeit Marias stehen mag – als Symbolfigur verkörpert Maria sogar drei wesentliche Aspekte des Frauseins:
Drei Aspekt sich wandelnder Weiblichkeit, die sich zu bedenken lohnen - vielleicht gerade am Muttertag.
Zugleich könnten sich auch die Herren der Schöpfung, die im Zuge der Gleichberechtigung Himmelfahrt zum Vatertag umgewidmet haben, etwas fragen: Nämlich welches Bild vom Vatersein sie verkörpern möchten?
Christian Trappe ist Pfarrer im Kirchspiel Lippoldsberg für die Kirchengemeinden Gewissenruh, Gottstreu, Lippoldsberg und Vernawahlshausen.