Ablauf:
• 9.15 Uhr – Einlass
• 10.00 Uhr – Gottesdienst unter Leitung der Bischöfe Dr. Gerhard Feige (Predigt) und Friedrich Kramer (EKM)
• 10.45 Uhr – Begrüßung durch Dr. Christian Philipsen, Generaldirektor der
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, und Prof. Dr. Harald Meller, Direktor des
Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
• Grußworte von Sven Schulze, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt,
Rainer Robra, Staatsminister und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt,
sowie Simone Borris, Oberbürgermeisterin der Stadt Magdeburg
• Festansprache von Staatsminister Dr. Wolfram Weimer, Beauftragter der
Bundesregierung für Kultur und Medien
• 11.30 Uhr – Feierliche Beisetzung: Der von Silke Trekel gestaltete Titansarg mit den Gebeinen Ottos des Großen wird im Steinsarkophag im Hohen Chor eingesenkt.
• Ort: Dom St. Mauritius und St. Katharina zu Magdeburg, Am Dom 1, 39104
Magdeburg
• Die Veranstaltung ist öffentlich.
Hintergrund
Kaiser Otto I. hat als historische Figur Kunstschaffende über Jahrhunderte immer wieder herausgefordert – von mittelalterlichen Herrscherdarstellungen wie dem Magdeburger Reiter bis in die Gegenwartskunst. Auch der neue Sarg von Silke Trekel ist eine solche Suche nach Otto mit den Mitteln von Kreativität, Können und Fantasie. Notwendig wurde die Neugestaltung eines Sarges für die Gebeine des Kaisers, weil sich bei der Öffnung des Steinsarkophags im Jahr 2025 zeigte, dass der darin befindliche historische Holzsarg in seinen unteren Bereichen weitgehend zersetzt war. Von Beginn an war klar: Die Neugestaltung eines neuen Sarges für die Gebeine würde eine Aufgabe von außergewöhnlicher historischer wie symbolischer Tragweite sein, in der sich Geschichte, Gegenwart und künstlerische Imagination in einzigartiger Verdichtung begegnen.
Genau für solche Aufgaben steht die Arbeit der Kunststiftung: Sie fördert zeitgenössische Kunst im Land unter anderem durch Stipendien, Projektfördermittel und, wie im Fall des Otto-Sarges, durch Wettbewerbe, in denen sie die bedeutendsten Künstlerinnen und Künstler des Landes zum Beispiel bei historisch bedeutsamen Anlässen zusammenbringt.
Die Umsetzung der Kunstwerke begleitet sie gemeinsam mit exzellenten Werkstätten und Produzenten aus Sachsen-Anhalt. Für den Otto-Sarg wurden zehn ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten aus den Bereichen Schmuck, Bildhauerei, Installation, Glaskunst und Design eingeladen, ihre künstlerischen Positionen in einen Dialog mit einer der bedeutendsten Gestalten des europäischen Mittelalters zu bringen – konzipiert in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt sowie der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt. Im September 2025 kamen die Künstlerinnen und Künstler zu einem Kolloquium im Magdeburger Dom zusammen, bei dem Fragen von Konstruktion, Material und technischer Realisierbarkeit im Austausch mit Archäologie und Materialwissenschaft verhandelt wurden. Auch die lateinische Inschrift des neuen Sarges wurde dort besprochen. Der Typograf Erik Spiekermann führte in die Tiefe typografischer Entscheidungen ein.
Im November 2025 kürte eine Jury aus Kunstwissenschaft, Archäologie, Denkmalpflege und Kirche den Entwurf „Torsion und Konsolidierung“ der Schmuckkünstlerin Silke Trekel zum Sieger. Der aus Titan, Feinsilber, Feingold und Blattgold gefertigte Sarg verbindet historische Symbolik mit technischer Innovation und einer klaren, aufsteigenden Formensprache – bewusst nicht historisierend, sondern als eigenständige künstlerische Antwort auf Ottos Erbe. Den zweiten Platz belegte Michael Krenz, den dritten Anette Groschopp.
Mit dem neuen Sarg setzt die Kunststiftung eine Reihe von Projekten fort, in denen Vergangenheit nicht museal erstarrt, sondern in zeitgenössischer künstlerischer Sprache neu sichtbar wird – so bereits 2009/10 beim Wettbewerb zur Neugestaltung des Sarges der Königin Editha, den die Bildhauerin Kornelia Thümmel mit einem an einen Bergkristall erinnernden, polygonalen Entwurf gewann. Wie Trekels Sarg für Otto setzte auch Edithas Sarg auf reduzierte, klare Formen. Zwei Werke, die das mittelalterliche Erbe des Doms nicht konservieren, sondern es in einen lebendigen Resonanzraum der Gegenwart überführen.