KÖRPER, SPUR UND TERRITORIUM – EXPERIMENTELLER DRUCKWORKSHOP

Dienstag, 13. Oktober 2026, 17:00 Uhr
Kunstraum Halle, Ludwig-Wucherer-Str. 34, 06108 Halle (Saale)

Dulce Eme macht den Körper zum Druckinstrument. In Frottage, direkten Abdrucktechniken und erweitertem Selbstporträt verbinden sich körperliche Einschreibungen mit Spuren der Umgebung. Der Workshop soll u.A. Menschen mit Migrationsgeschichte ermutigen und schafft Raum für individuellen Ausdruck und Selbstwirksamkeit. Die Ergebnisse werden anschließend die komplette Woche im Kunstraum Halle ausgestellt. Anmeldung: evnia.magazine@proton.me

Vagabundo – Ausstellung und Veranstaltungsprogramm zu Migration, Zugehörigkeit und Mobilität

Das Projekt “Vagabundo” begreift Migration nicht nur als geografische Bewegung, sondern als eine Veränderung der Beziehungen zu Territorium, Erinnerung, Identität, Gewohnheiten und Formen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Im Zentrum des Projekts steht der Koffer als Symbol und Medium des Transits: als tragbares Zuhause, Behältnis von Identität, Verbindung zur Vergangenheit und vorläufiger Zufluchtsort. Acht mexikanische Künstler:innen vierer Künstlerkollektive aus verschiedenen Regionen des Landes bearbeiten diesen alltäglichen Gegenstand und verwandeln ihn in ein symbolisches Territorium, welcher Fragmente ihrer persönlichen und künstlerischen Welten aufnimmt, transportiert und entfaltet. Indem der Koffer seine ursprüngliche Gebrauchsfunktion verliert, wird er zum erweiterten Kunstwerk und mobilen Archiv. Malerei, Zeichnung, Fotografie, Video, Grafik, Installation und Soundscape verbinden sich dabei zu verschiedenen Formen, gegenwärtige Erfahrungen von Bewegung darzustellen und erfahrbar zu machen.

Die Auswahl versammelt Positionen, die Migration aus unterschiedlichen Erfahrungen, mit verschiedenen Sprachen und auf unterschiedlichen Maßstabsebenen behandeln. Anstatt eine eindeutige Darstellung zu liefern, bringt das Projekt verschiedene Formen des Erinnerns, des Bewohnens und des Durchquerens von Distanz miteinander in Dialog.

Im Zusammenspiel der einzelnen Positionen entsteht ein gemeinschaftlicher Resonanzraum.  Der Rundgang führt die Besucher:innen zwischen materiellen und symbolischen Maßstäben: vom jeweils bearbeiteten Objekt hin zu den persönlichen Geografien und den Reisevorstellungen, die es hervorruft. Die Ausstellung schlägt damit unterschiedliche Wege vor, über die Veränderungen von Körper, Territorium und Kunst nachzudenken. Angesichts der medialen Polarisierung rund um das Thema Migration eröffnet Vagabundo einen Raum der Aufmerksamkeit für Lebenswege, die von politischen und ökonomischen Kräften beeinflusst wurden und werden.

Neben der reinen Kunstausstellung setzt sich Vagabundo  durch ein partizipatives Veranstaltungsprogramm fort: ein experimenteller Körperdruck-Workshop, verschiedene Diskussionsformate, Konzerte, eine Filmvorführung und die Erkundung und gemeinschaftliche Gestaltung der “Maleta Itinerante” – des „wandernden Koffers“, welcher der Ausstellung hinzugefügt wird. Diese Aktivitäten sind kein bloßes Rahmenprogramm der Ausstellung, sondern bearbeiten die zentrale Fragestellung auf verschiedenen Ebenen. und ermöglichen Besucher:innen und Teilnehmer:innen verschiedener gesellschaftlicher Prägung eine Teilhabe am Programm. auf andere Formate und Situationen der Begegnung. Im Dialog mit migrantischen Communities und dem lokalen Publikum aktiviert das Programm Erinnerungen, bringt Erfahrungen in Umlauf und erprobt Formen von Gemeinschaft, die das Bedeutungsfeld der Werke erweitern.

In einer Gegenwart, die von der Veränderung der Grenzen zwischen Territorien, Medien und Identitäten geprägt ist, versteht Vagabundo den Transit als materielle Bedingung und als Methode der Beziehung. Der Koffer überwindet die Distanz nicht und bietet auch keine dauerhafte Zugehörigkeit: Er bewahrt Spuren und macht die Fragilität jeder vorläufigen Zuflucht sichtbar. An dieser Schwelle zwischen Aufbruch und Ankunft ermöglichen die Arbeiten eine Auseinandersetzung damit, wie Identitäten aufeinandertreffen und sich verändern.

Ganz im ursprünglichen Sinne der Bezeichnung unserer Initiative “Evnia” (griech. “Εύνοια”=Ambiente des Wohlwollens zwischen Redner:innen und Zuhörer:innen)  wollen wir einem möglichst breiten Spektrums, Orte für einen respektvollen und kritischen Austausch schaffen. An dem sich ein:e Jede:r bestärkt fühlen kann ein Stück aus seiner/ihrer Komfortzone herauszutreten, um über möglichst facettenreiche Diskuse, für sich und Andere einen Mehrwert zu generieren.

Mehr Informationen über die Künstler:innen Ariatna Sánchez, Dulce Eme, Juan Bollas, Isabel Gaspar, Jonathan Fuentes Elías, Miguel Ramírez García, Rodrigo Murillo, Ruben Alberto, das Programm und alle weiteren beteiligten Unterstützer:innen findet ihr auf unseren Profilen der sozialen Medien: @evnia_initiative, @null_null_halle und @Blech_kunst_ev

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