In einem gemeinsamen Festkonzert zum 800jährigen Jubiläum der Stadt Hamm führen die Liebfrauenkantorei Hamm (Einstudierung Dekanatskirchenmusiker Johannes Krutmann) und die Ev. Kantorei Hamm das Oratorium "Paulus" op. 36 von Felix Mendelssohn Bartholdy auf am Sonntag, den 04.10.2026, um 18 Uhr in der Pauluskirche Hamm.
Ausführende:
N.N. – Sopran; Cristian Ramirez – Tenor; Lars Conrad – Bass Liebfrauenkantorei Hamm (Einstudierung Dekantatskirchenmusiker Johannes Krutmann)
Ev. Kantorei Hamm
ein Sinfonieoechester (Konzertmeisterin Britta Kailuweit)
Leitung Kreiskantor Heiko Ittig
Der erste Abschnitt von Teil I, der sich mit der Verfolgung des Stephanus befaßt, wird durch einen in hellen Klangfarben instrumentierten Chor (wieder greift Mendelssohn für„Die Heiden lehnen sich auf" auf die Fugentechnik zurück) und einen einfachen Choralsatz (Nr. 2 und 3) eingeleitet. In zunehmender Erregung übernimmt der Chor die Rolle der Menge in Nr. 5, 6 und 8. Der zweite dieser Ausbrüche folgt einem eindrucksvollen Rezitativ des Stephanus (Nr. 6), das Mendelssohn friedlich beginnen läßt, um dann Dynamik und Tempo zu steigern. Besonders dissonante Harmonien kennzeichnen im Chor den wiederholten Ausruf Steiniget ihn!" (Nr. 8); ein dramatischer Moment, der in starkem Kontrast zur vorausgehenden lieblichen Sopranarie steht (Nr. 7 „Jerusalem"), die durch ihre meditative Ruhe eine flüchtige Pause im sich entwickelnden Drama schafft.
Der zweite Abschnitt des ersten Teils (10-16) führt nun Saulus von Tarsus ein. Nach dem beruhigenden Chor Nr. 11 (nach Jakobus 1, 12 „Siehe, wir preisen selig, die erduldet") singt der militante Saulus seine „Zornesarie" gegen die Christen (Nr. 12), deren Text aus den Psalmen zusammengestellt ist. Die Reise nach Damaskus, eingeleitet durch ein Rezitativ und Arioso (Nr. 13) des Alts, führt ins theologische und emotionale Zentrum des Oratoriums: Nr. 14, die Erscheinung Christi (,Saul, was verfolgst du mich"), deren Komposition Mendelssohn große Anstrengung kostete. Nach Schubring konnte der Komponist sich nicht dazu entschließen, die Szene durch eine „möglichst starke Baßstimme" umzusetzen, sondern wollte zunächst ein Sopransolo verwenden.29 Letzteres erschien ihm jedoch als zu schwach, und als Schubring einen vierstimmigen Chor empfahl, soll Mendelssohn ihm geantwortet haben: „Da würden mich die Theologen gehörig heruntermachen, als wollte ich die Person des Auferstandenen leugnen und verdrängen." Trotzdem setzte er das Stück für vierstimmigen Frauenchor, der von Holz- und Blechbläsern begleitet wird, und erreicht auf diese Weise einen außerordentlichen, ätherischen Effekt. Einige Kritiker gingen tatsächlich mit Mendelssohn ins Gericht, unter ihnen der Herausgeber der Allgemeinen musikalischen Zeitung Gottfried Fink. Schubring erinnert sich: Denn eine Art von Theolog, Fink, in seiner musikalischen Zeitung, hatte doch Anstoss genommen, freilich in entgegengesetztem Sinne. Denn er wollte die vox humana ganz heraus haben und nur unbestimmte Posaunentöne hören lassen. dass er aber zugleich an den Worten 'Ich bin Jesus von Nazareth, den Du verfolgst' zu mäkeln wusste und schön reden konnte, der Verklärte und zum Himmel Gefahrene sei nicht mehr der von Nazareth, sondern der Herr vom Himmel, das hat uns ein herzliches Lachen verursacht. Der gute Fink hatte sicherlich Apost.-Gesch. 9,5 nachgeschlagen und bemerkt, dass die Worte 'von Nazareth' da nicht stehen; darauf hatte er seine Kritik gebaut. Er hatte aber seine Theologie soweit vergessen, dass er daran nicht gedacht, wie Paulus selbst späterhin in der Apostelgeschichte seine Bekehrung zweimal erzählt und Cap. 22 V. 8 diese verpönten Worte ausdrücklich berichtet; so dass also die Rüge den Apostel traf. Mendelssohn, der sich dieses Umstandes wohl bewusst war, lachte und sagte nicht viel; Freund Schleinitz aber hat's dem Fink hernach in gemüthlicher Neckerei wacker eingetränkt. "30 Dem majestätischen Chor (Nr. 15; man beachte wiederum die Verwendung der Fuge für „Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich") und der Wiederholung des Chorals „Wachet auf" aus der Ouverture (Nr. 16, jetzt mit Text) folgt im abschließenden Abschnitt von Teil I (17-22) der Bericht über Saulus' Begegnung mit Ananias in Damaskus und über die Heilung von der Blindheit. Die musikalischen Höhepunkte bilden die beiden Arien Saulus': die ausdrucksstarke Nr. 18 (,Gott, sei mir gnädig"), die ein Gegenstück zu Nr. 12 bildet (beide in h-Moll), und Nr. 20 (,,Ich danke dir, Herr, mein Gott"), die von einem Chor im imitativen Stil gefolgt wird. In Nr. 22 singt der Chor noch einmal staunend von dem erhabenen und unergründlichen Wesen des Herrn. Eine lebhafte Doppelfuge, die sich im Tempo steigert, bringt daraufhin den ersten Teil zum Abschluß (mit dem Accelerando greift Mendelssohn eine Technik aus der Ouverture auf). Im zweiten Teil des Paulus sparte Mendelssohn einiger seiner schönsten Musikstücke im Oratorium für den zweiten Teil auf. Immer wieder ist man von der Synthese in seiner Kunst beeindruckt, die ihre ständige Inspiration in der Ausrichtung an Modellen früherer Musik fand, besonders an den Oratorien Händels und den Passionen Bachs. Der erste Chor (Nr. 23), eingeleitet von strahlenden Fanfaren, enthält eine hervorragend gearbeitete Fuge. Das Kopfmotiv des Fugenthemas blickt auf eine besondere Geschichte zurück: Es ist dem sogenannten „Jupitermotiv" verwandt, das von Mozart im Finale seiner Jupiter-Sinfonie und vor ihm von zahlreichen Barockkomponisten verwendet wird. Einige Chöre weisen eindeutig Händelsche Charakteristika auf, darunter auch diejenigen der Heiden (Nr. 33 und 35), die in einem unmittelbar zugänglichen Stil gehalten sind; Lampadius beschreibt sie als „angehaucht vom lieblichen Duft des classischen Hellenismus". Und selbstverständlich finden sich zahlreiche Anklänge an J. S. Bach, von denen einige sehr offensichtlich sind (z. B. in Nr. 36, der Chorfuge „Wir glauben all", die aber auch an Mozarts berühmte, im archaisierenden Stil geschriebene Geharnischten-Szene im II. Akt der Zauberflöte erinnert), während andere in einen moderneren Kontext gestellt werden (z. B. die Cavatina Nr. 40 mit obligatem Cellosolo).